Leserbrief zu Hubert Wetzel: "Ein Teil von mir. Das Recht, eine Waffe zu besitzen, ist für viele Amerikaner gottgegeben", SZ vom 08.11.2019, Seite 3

Leserbrief zu Hubert Wetzel: "Ein Teil von mir. Das Recht, eine Waffe zu besitzen, ist für viele Amerikaner gottgegeben. Egal wie viele Kinder in Schulen erschossen werden, sie verfluchen alle, die ihnen ihre Colts und AR-15 wegnehmen wollen. Die Geschichte einer tödlichen Liebe.", SZ vom 08.11.2019, Seite 3


Sehr geehrte Redaktion Leserbriefe,

Die Freiheit sich umzubringen ist relativ. Der Deutsche rast sich gern auf der Autobahn zu Tode, der Amerikaner benutzt eher Schusswaffen. Die deutsche Überheblichkeit, mit der Hubert Wetzel das Anliegen der amerikanischen 2A Verfechter (Second Amendment, der Zweite Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung) - nämlich das verfassungsmäßig garantierte Recht auf Waffenbesitz zu verteidigen - als morbide Kuriosität abtut, ist also überflüssig. Stattdessen hätte man lieber Neues erfahren. 

Neben den von Wetzel erwähnten großen Waffenlobbies mit Millionen Mitgliedern gibt es auch eine kleinere, die JPFO (Jews for the Preservation of Firearms Ownership), die den Kern des Anliegens der 2A Verfechter verständlicher macht. Sie argumentiert, dass das historische Leid, das Juden angetan wurde, nur durch ihre vorherige Entwaffnung geschehen konnte. Solche Waffen-Kontroll-Gesetze hätten Regierungen nicht nur vor dem Holocaust, sondern vor allen größeren Genoziden des 20. Jahrhunderts eingeführt. Die Formel "Hass + Regierung + entwaffnete Bevölkerung = Genozid" hätte so zu den Genoziden an zig Millionen unbewaffneten Zivilisten geführt. Im Osmanischen Reich an 1-1,5 Millionen Armeniern; in der Sowjetunion  an 20 Millionen politischen Gegnern; in Nazi-Deutschland an 20 Millionen politischen Gegnern, Juden, Sinti und Roma; in China an 30-45 Millionen politischen Gegnern; außerdem in Guatemala, Uganda, Kambodscha und Ruanda. Für die JPFO gelten deswegen bewaffnete Bürger als letzte Bastion gegen die Tyrannei der eigenen Regierung. Argumente, die gerade in Deutschland zumindest erwähnenswert wären.  


Mit freundlichen Grüßen,
Sabine Matthes
81477 München
Tel.: 089-791.8513